International Council for Traditional Music

A Non-Governmental Organization in Formal Consultative Relations with UNESCO

Germany National Committee

International Council for Traditional Music

(UNESCO/NGO)

Nationalkomitee Deutschland

Chair: Dorit Klebe

 

 

28. JAHRESTAGUNG

8. und 9. Oktober 2021

Berlin

 

Erinnerungskulturen in der Musikethnologie

sowie

Freie Berichte

 

Call for Papers

Meldungen von Beiträgen: 15. Juli 2021

Tagungsort: Humboldt Forum, Schloßplatz 1, 10178 Berlin

 

Überlegungen zum Tagungsthema

Erinnerungskulturen in der Musikethnologie sollen im Mittelpunkt unserer nächsten Jahrestagung im Humboldt Forum in Berlin stehen; diese Thematik wurde trotz ihrer Bedeutung für unsere Fachdisziplin bisher nur überwiegend marginal behandelt.

Von den Erinnerungskulturen und ihren damit verbundenen Gedächtnisarten – wie autobiografisches, kollektives, kulturelles, kommunikatives, soziales Gedächtnis, um nur einige zu nennen – , mit denen sich in den letzten Jahren besonders die Natur-, Geschichts- und Kulturwissenschaften in verschiedenen Ausprägungen befasst haben, interessieren uns im Besonderen die Erinnerungskulturen in der Musikethnologie.

Es gibt zwei große Themenfelder, einmal die mündliche Tradition, mit ihren aural/oral überlieferten Musikbereichen und zum Zweiten die Versuche, Musik in unterschiedlichster Weise aufzuzeichnen, zu notieren bis hin zu den verschiedenartigsten technischen Medien der Gegenwart zur Klangspeicherung und -reproduktion. Diese zwei grundsätzlichen Erinnerungs-/Gedächtnisfelder sind beide miteinander wirksam, wobei die mündliche Tradition bis in die Gegenwart von großer Tragkraft ist und ihre Anwendungen in der Musikübermittlung und Musizierpraxis findet.

Im Zusammenhang mit der Verwendung des Begriffes der mündlichen Überlieferung soll hier erwähnt werden, dass Mitte des 20. Jahrhunderts einige Wissenschaftler, um den Prozess der Erinnerung besser verständlich zu machen, statt „mündlich“/oral den Begriff „aural“ (gehörmäßig) vorgeschlagen hatten, vgl. Bruno Nettl 2005: 291–294. Als eine weitere Möglichkeit hatte Gültekin Oransay (1966: 21) das Attribut „gedächtnismäßig“ empfohlen. Zu dem Komplex der mündlich überlieferten Musikbereiche (das „Mündliche“ ist hier und im Folgenden immer ergänzt durch die oben genannten Attribute zu sehen) sind einige Beispiele anzuführen: wie eine primär mündliche Vortragspraxis, mündlich tradierte Rituale und einzelne Riteme, Handlungen in religiösen Zeremonien; des Weiteren gesungene epische Dichtung, häufig eine Kombination von Erzähl- und Musizierpassagen. In manchen Kulturen sehen Vortragende (z.B. Dichtersänger) das Aufzeichnen und Aufschreiben ihrer Weisen als negativ an, da ihrer Meinung nach deren Wert an originärer Schöpferkraft, an inventiver Kreativität verloren geht (vgl. auch Ursula Reinhard/Tiago de Oliveira Pinto 1989: 48). Vorbehalte generell gegenüber Aufzeichnungen von Ideen, auch Notationen, gab es schon in der Antike. Von Interesse ist auch, wie sich mündlich tradiertes Kulturgut in Migrantencommunities in der Diaspora besonders in urbanen Zentren überliefert.

Innerhalb des zweiten Bereiches der aufgezeichneten, dokumentierten, gespeicherten Musikkulturen

spielen auch Musikinstrumente eine Rolle, die Erinnerungen und musikalisches Vermächtnis durch das Artefakt qua Kultobjekt weitergeben. Diese Musikinstrumente können mit graphischen Bearbeitungen, etwa piktogrammartigen Darstellungen Bestandteil einer Erinnerungskultur sein, wie etwa sogenannte „sprechende“ Zeichnungen auf dem didgeridoo. Bei den gespeicherten Medien, dem größten Themenbereich, können die Aufnahmen im Sinne einer „quasi Notation“ angesehen werden, als eine Art „gefrorener“ Erinnerung, die durch verschiedenste Interpretationspfade zu einer „new openness“ offengelegt, (hermeneutisch) entschlüsselt werden können. Dies reicht vom Anfertigen der Verbalpartituren mit Handlungsanweisungen, auch für eine Verklanglichung, bis zu Vorlagen für Transkriptionen, für eine präzise Notation mit genauesten Ausführungsvorschriften.

Jede der zwei Ebenen der Themenbereiche und auch deren Schnittstellen bieten sich für Reflexionen an. Beiträge von philosophisch-theoretischen Untersuchungen, wie etwa La mémoire collective des Philosophen und Soziologen Maurice Halbwachs (1950), das „kollektive Gedächtnis“ des Ägyptologen Jan Assmann (1992), bis zu konkreten praktisch-technischen Beiträgen, wie etwa über Formen der musikalischen Repatriierung/ Rückführung von Klangmaterial an die ursprünglichen Erzeuger (vgl. Judith Gray 1996, Returning Music to the Makers) sind möglich.

Dies sind nur einige wenige Vorschläge, sich dem Tagungsthema zu nähern, und ich hoffe, dass Sie sich zu einem Referat anregen lassen, verbunden mit dem Wunsch, dass Sie viele weitere Aspekte ansprechen mögen. Wie auf jeder Jahrestagung des ICTM-Deutschlands sind auch Freie Berichte sehr willkommen, in denen vor allem unsere Mitglieder, die in der letzten Zeit eine (Online)-Feldforschung begonnen oder abgeschlossen haben, Einblicke in ihre Projekte geben können.

Dorit Klebe, Präsidentin

 

Meldungen von Beiträgen:

Bitte notieren Sie den Anmeldeschluss für Titel und Abstract (Länge 200250 Wörter) Ihres Vorschlages:

15. Juli 2021.

Senden Sie bitte Ihren Vortragsvorschlag, zusammen mit einer Kurzbiographie an mich

"Dorit Klebe" <dmklebe@zedat.fu-berlin.de> oder "Edda Brandes" <edda@brandes-kraatz.de>, "klaus naumann" <klausnaumann@yahoo.com>

 

Programmkomitee

Dorit Klebe, Vorsitz (Präsidentin des deutschen ICTM),

Klaus Näumann (Vizepräsident des deutschen ICTM),

Edda Brandes (Vizepräsidentin des deutschen ICTM),

Maurice Mengel (Leiter der Abteilung Medien des Ethnologischen Museums),

Zoe Irene Louise Hermann (Mitarbeiterin der Abteilung Medien des Ethnologischen Museums).

 

Das Programmkomitee, das die Evaluation der Referatsvorschläge übernehmen wird, wird Sie bis zum 01. September 2021 benachrichtigen.

 

Hinweise für die Referent_innen:

Die Vortragszeit beträgt für ein Referat jeweils max. 20 Minuten, audio- bzw. audiovisuelle Beispiele inklusive. An den Vortrag schließt sich eine Diskussionszeit von 10 Minuten an. Sie können auch gern einen Vorschlag für ein Panel oder Roundtable einreichen, zeitlicher Umfang von eineinhalb/ zwei Stunden für drei/ vier Referate inkl. Diskussionszeit für ein Panel; für ein eineinhalbstündiges Roundtable z. B. ca. fünf Impulsreferate à 10 Minuten plus Diskussionszeit.

 

Weitere Informationen

Angaben und sonstige notwendige Hinweise erhalten Sie im Zusammenhang mit der Versendung des vorläufigen Tagungsprogrammes.

 

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Kontakt, Humboldt Forum Berlin: Kontakt, ICTM-Deutschland:

Dr. Maurice Mengel Dr. Dorit Klebe

Leiter Abteilung Medien: Chair des ICTM-Nationalkomitees Musikethnologie, Berliner-Phonogramm-Archiv und Deutschland

Visuelle Anthropologie des Ethnologischen Museums Auguststr. 61, 10117 Berlin

der Staatlichen Museen zu Berlin Tel. +49 (0)30-8813880

Arnimallee 23–27, 14195 Berlin "Dorit Klebe" <dmklebe@zedat.fu-berlin.de>

"Mengel, Dr. Maurice" <M.Mengel@smb.spk-berlin.de>

      

 

 

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